Das Pleuellager

ist der schwächste Punkt eines jeden Harley Motors.

Meine Ausführungen zu diesem Thema beziehen sich auf jahrelange Messungen und Recherchen an defekten Pleuellagern.

Wir haben eine rollengelagerte Pleuellagerung und es ist egal, ob es eine alte Knuckle oder eine Evo Kurbelwelle ist, am Lager selbst hat sich so gut wie nichts geändert.

Hilflose Konstruktionen einiger Zubehörlieferanten, wie z.B. ein 3-Loch Kurbelzapfen haben keinen Einfluss auf die Lebensdauer im Gegenteil, man lässt keine Lagerrolle über eine scharfkantige Bohrung laufen und ein “Barrel” Öl in der Minute braucht dieses Lager auch nicht.

Die eigentlichen Schäden entstehen nicht durch 1-Loch Kurbelzapfen, sondern durch schief gebohrte Zylinder, nicht gefluchtete Pleuel oder falsches Lagerspiel, da hilft auch ein 3-Loch Zapfen nichts mehr.

Einen großen Einflusss auf Lagerschäden hat das Lagerspiel des Pleuellagers, verursacht durch den Instandsetzer oder, deshalb mein Bericht, einen Konstruktionsfehler.

Das Gabelpleuel:

Diese Konstruktion ist für einen V-Motor ohne seitlichen Versatz der Zylinder unerlässlich.

Leider können aber eben aus diesem Grund die Pleuel unten um die Lagerringe nicht stärker dimensioniert werden, was aber unbedingt von Nöten wäre.

Es ist einfach kein Platz da und man würde das vordere Pleuel nicht in das hintere Gabelpleuel bringen.

Ich zeige hier mal drei Pleueltypen, im Moment noch nichts besonderes…

 

 

HD Pleuelsatz

  •  Shovel Pleuel

Carillo

  • Carillo Pleuel

Buell

  • Buell Pleuel

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Jetzt mal das gleiche aber nur das vordere Pleuel unten, beachtet bitte die Wandstärke (Pfeil)  um den Lagerlaufring.

Evo unten

  •  Shovel

Carillo unten

  •  Carillo

Buell unten

  • Buell

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Selbst das Carillo Pleuel mit einer Pleuelstange die einem  “T-Träger” gleich kommt  ist unten nicht stärker dimensioniert als das Orig. HD Pleuel.

Dadurch, dass so wenig Material um den Laufring ist, ziehen sich die Lager oval, Ihr habt richtig gelesen, oval.

Das Pleuel zieht sich durch die mechanische Beanspruchung im Bereich des Pleuellagerlagers vertikal (6/12 Uhr)in die Länge und horizontal (3/9 Uhr) wird der Lagerlaufring dadurch enger.

Beim mittleren Pleuel sind Werte von 0.03 bis 0.04 mm die Regel, beim Gabelpleuel hinten ist es etwas weniger.

Jetzt rechnen wir mal, Lagerspiel bei einem neuen Pleuelsatz von Werk aus 0.03 mm.

Nach Betrieb 0.03 mm an der Seite enger dann hat das Lager in diesem Bereich kein Spiel mehr.

Das führt soweit, dass ich schon oft Pleuelsätze bei einer Zerlegung mit dem Abzieher vom Zapfen ziehen musste.

Je nach Verengung wird das Rollenlager mehr oder weniger nach außen gedrückt (Schraubeffekt)  die Anlaufscheiben und Lagerkäfige laufen ein.

Ursachen für diesen Effekt:

  • zu hohe Verdichtung
  • Big Bore-Motoren mit mehr Leistung
  • Drehzahlfreudiges und strammes Fahrverhalten

 

 

Das Buell Pleuellager:

Für dieses sportliche Motorrad schlichtweg ein “Spielzeug”.

Die Pleuellagerschäden der Buell haben derartig zugenommen, was mich eigentlich dazu bewegt hat diesen Bericht zu schreiben.

Ich kann keinem 80-Jährigen ein Kopf von einem 18-jährigen aufsetzen und ihn einen Marathon laufen lassen.

Folgendes Bild zeigt den Schaden, den ich momentan in Arbeit habe.

Zapfen Buell

Es ist immer die gleiche Stelle, also das Pleuel in der Mitte ist der Verursacher, es war an der Seite um 0.038 mm enger.

Hinzu kommt auch noch, dass manche Wellen von Werk aus sehr sehr schlecht zentriert sind, deshalb ist vor einer Überholung erst einmal die Welle zu überprüfen, ob eine Revision überhaupt sinnvoll ist.

Hat aber eine Welle gute Zentrierwerte, dann kann man davon ausgehen mind. diese wieder zu erreichen, dann lohnt sich eine Überholung auf jeden Fall, zumal ja auch auf Wunsch bessere Lager zum Einbau kommen.

Wenn eine neue Welle gekauft werden muss, sollte sie vor dem Einbau auf ihre Zentrierwerte überprüft werden, es nutzt nichts, so ein “Eierding” einzubauen, nur weil es schön glänzt.